Warum braucht Rastatt ein neues Kombibad?

Die 10 wichtigsten Gründe:

Das Alohra wurde 1970 gebaut und vor rund 20 Jahren teilsaniert. Das Natura hat bereits über 80 Jahre auf dem Buckel. Teile wie die Brunnenfigur oder die Fassade der Umkleiden stammen sogar noch aus dieser Zeit, während Becken und technische Anlagen vor über 30 Jahren letztmalig erneuert wurden. Die gepflegte Optik täuscht über den schlechten Zustand der Bäder hinweg: Dieser ist in beiden Schwimmanlagen, insbesondere in der Technik des Alohras, nämlich so schlecht, dass der Ausfall eines wichtigen Betriebsteils eine sofortige – unter Umständen längere – Schließung bedeuten würde. Das kann jederzeit passieren. Mit einem Austausch des betreffenden Aggregats wäre es dann nicht einfach getan; der Bestandsschutz wäre nicht mehr gewährleistet, weil viele Anlagenteile nicht mehr den heutigen Erfordernissen entsprechen. Beispielsweise würde eine neue Lüftungsanlage mit angepassten Kapazitäten nicht mehr in der Unterkellerung Platz finden.

Zu diesem Ergebnis kommen seit 2015 unabhängig voneinander vier gutachtliche Stellungnahmen*. Sie alle dokumentieren in ihren Gutachten einheitlich den schlechten energetischen und baulichen Zustand: Modernen Standards entspricht weder die Haustechnik noch der Wärmeschutz. Keiner der Experten macht Sanierungsvorschläge für das Tragwerk der Bäder. Das hat einen Grund: Es gibt keine sinnvollen Möglichkeiten, die ein solches Vorhaben rechtfertigen würden – die Bäder sind „abgebadet“ und weder zeitgemäß noch zukunftsfähig. Alle Gutachten empfehlen deswegen den Neubau eines Kombibades.

  • *2019: Prof. Andreas Meissner, Planfabrik SPS
  • *2019: Dr.-Ing. Thomas Duzia, Duzia Bauphysik und Architektur Sachverständiger für Schäden an Gebäuden und Gebäudeinstandsetzung (TÜV)
  • *2017: Dipl.-Ing. Ulrich Haag, Bauingenieur, Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Baustatik und Baukonstruktionen des Massivbaus
  • *2015: Dipl.-Ing. Norbert Kripaizew, Schick & Partner Freie Architekten

Alle Gutachter, die sich ein Bild vom Zustand der beiden Bäder gemacht haben, raten dringend von einer Sanierung ab. Sie alle sind einer Meinung: Eine Sanierung würde sich schwierig gestalten. Sie wäre langwierig, kostspielig und hätte wenig Aussicht auf Erfolg. Ein kompletter Rückbau von Technik, Fassaden, Abdichtungen, Ausbauten und Bekleidungen bis auf den reinen Rohbau wäre notwendig. Da auch das Untergeschoss einschließlich Bodenplatte, die im Grundwasser liegt, bereits durch Korrosion massiv geschädigt ist, müsse diese nachträglich sicher abgedichtet werden. Das ist nach anerkannten Regeln der Bautechnik nicht möglich. Bei einem Neubau dagegen können die höheren Anforderungen mit weniger Aufwand hergestellt werden.

Auch im Hinblick auf die Kosten wäre eine Sanierung der bestehenden Bäder mit einem sehr hohen unkalkulierbaren finanziellen Risiko verbunden. Bei einem Neubau kann man viel besser abschätzen, mit welchen Kosten und Risiken zu rechnen ist. Diplom-Ingenieur Norbert Kripaizew, freier Architekt bei Schick & Partner, hat 2015 eine Kosteneinschätzung für die Sanierung der beiden Rastatter Bäder abgegeben: Hochgerechnet auf einen Sanierungsbeginn 2023, lägen die Kosten bei mehr als 33 Millionen Euro netto. Eine dauerhafte Leistungsfähigkeit – wie bei einem neuen Bad – wäre nicht garantiert.

Demgegenüber steht ein neues Kombibad mit einer gedeckelten Investition von 40 Millionen Euro netto, das wieder für mehrere Generationen sicher zur Lebensqualität in Rastatt beiträgt, einfacher und schneller zu realisieren ist und den heutigen Erfordernissen in jeglicher Hinsicht entspricht, von der Technik über den Energiebedarf und die Barrierefreiheit bis hin zu den heutigen und künftigen Bedarfen.

Welche unkalkulierbaren Risiken eine Badsanierung mit sich bringt, zeigen auch verschiedene Beispiele aus anderen Kommunen, mit denen ein Erfahrungsaustausch stattgefunden hat.

Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Ging man früher nach der Arbeit noch eine Bahn schwimmen, besucht man Bäder heute, um einen schönen Familientag darin zu verbringen, für Wettkämpfe zu trainieren oder um Kurse zu belegen. Dazu muss ein Bad attraktiv für alle Nutzergruppen ausgestaltet sein. Würde man die beiden alten Bäder einfach sanieren, wäre dies gleichbedeutend damit, die Bedarfe aus den 1970er- oder 1980er-Jahren noch für ein paar weitere Jahre zu verlängern. Ein Kombibad dagegen wird den Ansprüchen der jetzigen und zwei oder sogar drei weiteren Generationen gerecht.

Das fängt an bei barrierefreien Zugängen für alle Badbereiche bis hin zu einer durchdachten Planung der Innenwasserfläche, die das ganze Jahr über genutzt werden kann. Beim neuen Ausgestaltungsvorschlag haben die Stadt und der Eigenbetrieb Bäder, Versorgung und Verkehr multifunktionale Ansätze genutzt, um die Bedarfe aller Badegäste zu berücksichtigen: Vorgesehen ist, das neue Schwimmerbecken mit sechs Bahnen zu konzipieren und die Innenwasserfläche somit von aktuell 319 auf 420 m2 zu vergrößern. Das Schwimmerbecken ist somit landes- und kreiswettkampftauglich; eine Springerbucht oder ein separates Springerbecken sollen den aktuellen Nutzungskonflikt im Alohra von Schwimmern und Springern lösen. Außerdem ist ein 100 m2 großes Lehrschwimmbecken geplant plus ein zusätzliches Multifunktions-Kursbecken mit Hubboden (ebenfalls 100 m2). Die Größe des bisher 19 m2 großen Kinderplanschbeckens im Alohra wird mehr als verdoppelt auf 40 m2. Eine Erlebnisrutsche mit Erweiterungsoption komplettiert den Innenbereich. Im Sommer steht den Badegästen im Außenbereich ein Schwimmerbecken im gleichen Umfang wie jetzt im Natura zur Verfügung (1050 m2), außerdem ein Erlebnisbecken (520 m2) und ein Kinderplanschbecken (170 m2). 

Eine solche Kombibad-Gestaltung sorgt für ein konfliktfreies Miteinander aller Badbesucher. Denn sie erfüllt viele Zwecke, die momentan vor allem im Alohra zu kurz kommen: Beispielsweise gibt es im Alohra zu wenig Bahnen und Nutzungszeiten für Sportvereine, Schulschwimmen und Schwimmkurse. Lange Wartelisten für Kinder-Schwimmkurse sind die Folge. Das ist gefährlich. Denn fast 60 Prozent der Grundschulkinder können nicht sicher schwimmen, sagt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des DLRG 2017.

Die Zusammenlegung der beiden jetzigen Bäder Natura und Alohra eröffnet gleich mehrere wirtschaftliche Vorteile. Reine Freibadwasserflächen kosten viel, obwohl sie nur an wenigen Tagen des Jahres genutzt werden können und auch gut ausgelastet sind. Bei einem Kombibad dagegen lassen sich die Innen-Schwimmbecken ganzjährig mitnutzen; das ist nicht nur für die Besucher bei Schlechtwetter im Sommer ein Vorteil, sondern auch für den Betreiber. Bei einem solchen Kombibad können die Außenbecken bescheidener ausfallen; das reduziert die Investitionskosten. Die laufenden Betriebskosten sind durch die Synergieeffekte in einem gemeinsamen Bad ebenfalls niedriger als in einem getrennten Frei- und Hallenbad.

Mit einem Kombibad würde außerdem das derzeitige Alohra-Gelände frei werden. Die knapp 11.000 m2 bieten ein sehr großes städtebauliches Potenzial. Beispielsweise könnte dort eine bedarfsgerechte Nahversorgung entstehen.

Mit Blick auf den Klimaschutz ist ein Kombibad ökologischer zu betreiben als zwei getrennte Bäder. Da die Innenbecken im Sommer mitgenutzt werden können, braucht es weniger Wasserfläche außen. Das spart Energie, zum Beispiel fürs Heizen oder die Reinigung. Außerdem profitiert ein Neubau von den Vorteilen des modernen und nachhaltigen Baues: Die Energieeffizienz des Gebäudes kann mit einer cleveren Architektur maßgeblich mitgestaltet und ausgenutzt werden.

Ein Kombibad braucht weniger Personal als zwei getrennte Bäder. In Zeiten des Fachkräftemangels ist dies ein wichtiger Punkt für eine bessere Personaldecke: Sie sorgt für einen maximal sicheren Badebetrieb und ist auch in Ausfallzeiten wichtig: Das Risiko für reduzierte Öffnungszeiten oder Schließungen ist in einem Kombibad viel geringer.

Ein Kombibad ist allwettertauglich. Das ist im Hinblick auf das sich verändernde Klima ein wichtiger Pluspunkt, von dem Betreiber und Badegäste gleichermaßen profitieren. Wer beispielsweise im Sommer von starkem Regen überrascht wird, weicht einfach in den Innenbereich aus, um weiterzuschwimmen. Auch die (saisonalen) Öffnungszeiten sind in einer gemeinsamen Einrichtung flexibler gestaltbar, beispielsweise wenn die Frühlingstemperaturen schon unerwartet hoch sind, kann die „Außen-Saison“ früher starten und wenn es einen langen Spätsommer bis in den Herbst gibt, wird diese einfach verlängert.

Beim Bau eines neuen Kombibads steht Besuchern, Vereinen und Schulen durchgängig bis zur Inbetriebnahme der neuen Anlage ein Hallenbad mit Außenbecken zur Verfügung, nämlich das Alohra. Auch das Bäderpersonal hätte durchgängig eine Beschäftigung. Ein Neubau bedeutet also auch weniger Ausfall für Vereine und Schulen und den Erhalt der Arbeitsplätze des Bäderpersonals. Bei einer Sanierung dagegen würden sowohl Hallen- als auch Freibad über längere Zeit geschlossen bleiben müssen. Die Menschen in Rastatt müssten dann für mindestens zwei bis zu vier Jahre ohne Hallenbad und genauso lang ohne Freibad in der eigenen Stadt auskommen und während dieser Zeit auf andere Städte ausweichen.

„Gerade jetzt brauchen wir zur langfristigen Sicherstellung des Schwimmbetriebes einen unverzüglichen Fortgang der Planung des Kombibades mit der auch die für Schulen und Vereine dringend erforderliche zusätzliche Wasserfläche im Hallenbad geschaffen wird. D.h. konkret: Schreibt endlich den Architektenwettbewerb aus (5 Jahre Zaudern sind lang genug)! Weiteres Nichtstun führt jährlich weiter zu Mehrkosten im Mio.-Bereich bzw. zwingt die Stadt ggf. zu Sanierungsmaßnahmen, die nur Geld kosten und dabei einen Schwimmbetrieb über Monate hinweg unmöglich machen!“
werner bartel
Werner Bartel
1. Vorsitzender Rastatter Turnverein 1846 e.V.